
Lage und Erklärung der Namen
Groß Kummerfeld, Klein Kummerfeld und Willingrade liegen auf der holsteinischen Vorgeest, die sich in einer Breite von 10 bis 15 Kilometern von Südsüdosten nach Nordnordwesten erstreckt.
Diese Sanderzone hat außerordentlich nährstoffarme und sandige Böden, deren Wert für die landwirtschaftliche Nutzung begrenzt ist. So lag 1905 der durchschnittliche Grundsteuerreinertrag des Ackerlandes unserer Gemeinde unter 10 Mark pro Hektar. Jens Erichsen gibt in seiner 1898 erschienenen Topographie des Landkreises Kiel für Groß Kummerfeld 4,83 Mark, für Kleinkummerfeld 3,39 Mark und für Willingrade 3,96 Mark als durchschnittlichen Grundsteuerreinertrag für Ackerland an. Unsere Bauern lagen damit am untersten Ende der Ertragsstatistik.
Bei dieser geringen Bodengüte können wir annehmen, dass das Wort „Kummer" „schlechtes, unfruchtbares Land" bedeutet. Die Ortsnamen auf -feld finden sich in ganz Schleswig Holstein; die Bedeutung ist „Ackerflur, Wiesenflur, freies, offenes Land, kahle Stelle, waldfreier Boden".
Als ursprüngliche Vegetation hatten wir in unserer Gemarkung einen Eichen-Birken- Mischwald. Als Folge von Rodungen und Beweidung bildete sich statt dieses Waldes eine Callunaheidegesellschaft. Diese Rodungen sind schon recht früh geschehen: Der Sandboden unter dem Eichen-Birken-Mischwald war mit frühgeschichtlichen Werkzeugen verhältnismäßig einfach zu bearbeiten und der Wald selbst leicht zu roden. So deutet das Suffix - feld auf eine frühe Gründungszeit hin. Dieser Hinweis wird bestätigt durch datierbare Schlackenfunde auf dem neumünsterschen Sander. Sie legen Zeugnis davon ab, dass schon in frühgeschichtlicher Zeit das Raseneisenerz, das sich in den Flachmooren und sumpfigen Wiesen, in den Bach- und Flußtälern und den grundwassernahen, anmoorigen Sandern gebildet hatte, verhüttet und verarbeitet wurde. Aufgrund des archäologischen Befundes können wir vermuten, dass der neumünstersche Sander seit der Jastorfzeit besiedelt und ein Schwerpunkt der Eisengewinnung und -verarbeitung bis in das 10. Jahrhundert war.
Auch Karten aus dem 17. Jahrhundert belegen, dass sich von Daldorf/Kuhlen und Bornhöved im Osten über Willingrade - Groß Kummerfeld bis Husberg und Brachenfeld eine durchgehende Heidefläche erstreckte. Wälder finden wir in dem Gebiet, das durch die Ortschaften Neumünster - Tasdorf - Bönebüttel - Gönnebek - Kummerfeld - Braak - Heidmühlen - Großenaspe - Padenstedt umschlossen wird, nicht verzeichnet.
Somit können wir den Namen „Kummerfeld" wie folgt erklären:
Ein Ort, der nach Rodung des auf den Sanderflächen ursprünglich wachsenden Eichen-Birken-Mischwaldes besiedelt wurde, wobei sich herausstellte, dass die geringe Bodengüte nur sehr kärgliche Erträge erbrachte.
Diese Armut der früheren Bewohner Kummerfelds wird in der folgenden Geschichte auf Platt beschrieben: „Bi Lütt´n Kummerfeld rüm is fröher ´n ganz armen Strek weß. Wenn de Frunslüd in´n blau Schört to Dörp güng´n, hebbt se jeden Kohkoetel opsammelt un in de Schört nahmen un in´n Miß smeten. De Schört is nich schietig warn, so drög weern de Koetels. En losen Strohhalm hebbt se ok opsammelt un to Hus dragen. Dat müß all opfodert ward´n. Swarten Pott voll „Rüstboddermelk" hett dat jeden Dag geben. In´n groten Pott voll Boddermelk wör Brot inkrömt, un denn wör de Pott in´t Kastrollock in´n Herd stellt, mit´n hölten Stülper todeckt, un denn wör he mit Asch torakt. Morgens is dat denn so lummerig weß, un dat hebbt se denn eten: „Rüstboddermelk" heet dat. Abends hett dat „Lork" geben: Rogg´nmehl is in Water anrögt un in Water kakt warn un dar geev dat denn Melk to. Fief Burn hebbt tohop een Swien fett makt, wieder lang dat nich. Pingsen hebbt se dat letzte Stück kakt, so lang, bet to´t Fest hebbt se dat ophegt. Harvstdags hebbt se ok mal´n Schav slacht. Middags geev dat meistieds Melksupp. Bokweetenklümp wörn in Bodder brad un dar öwergaten. Denn sünd dar doch Ogen op de Supp weß. Middags hebbt se ok Bokwetenklümp kakt. En Pott voll Boddermelk keem op´n Disch, un dar keem´n denn de hitten Klümp rin. Dar wör Swartbrot to eten. De Fru güng eers eben vör Middag to Hus, so lang kunn se mitarbeiten. Dreemal geev dat man wat to eten de Dag".
Das Suffix –rode/rade deutet auf gerodetes Land hin; obd. reuten, md.=nd. roden bezeichnet „die Beseitigung des Waldes durch Ausgraben der Wurzelstöcke“. Ortsnamen auf –ing(e)rode/rade sind in Holstein nicht verbreitet. Rodungsnamen gehören meist dem Hochmittelalter und späteren Zeitabschnitten an. Auch die alte, regelmäßige Flur von Willingrade aus dem Jahre 1787 zeigt, dass es sich bei dieser Siedlung um ein Dorf handelt, das auf Rodung zurückgeht und im Hochmittelalter als „Kolonistendorf“ planmäßig angelegt wurde.